DIG Arbeitsgemeinschaft Frankfurt
Startseite arrow Aktuelles arrow Veranstaltungen arrow Aus persönlicher Betroffenheit: Oberst Ganor spricht zur Abkoppelung
 
Mittwoch, 8. September 2010 (29. Elul 5770)
Aus persönlicher Betroffenheit: Oberst Ganor spricht zur Abkoppelung

Die Bestuhlung im Frankfurter Presseclub reichte nicht aus, als - mitten in der Sommerpause, aber aus hochaktuellem Anlass - die Arbeitsgemeinschaft zu einem Vortrag über die Gaza-Abkoppelung lud. Nahezu 70 Gäste, die auch von außerhalb anreisten, wollten sich - 13 Tage vor dem offiziellen Datum der Räumung des Gaza und von vier Siedlungen im Westjordanland - über die aktuelle Lage informieren.

Beruflich kompetent als ehemaliger Militärattaché und Oberst der Reserve und persönlich betroffen, nicht zuletzt als Vater eines Sohnes im aktiven Militärdienst in Israel, beeindruckte Referent Itzchak Ganor, vielen bekannt als Hauptdelegierter des Jüdischen Nationalfonds, die Zuhörer zutiefst.
"Gaza, die Siedler und die Folgen" war das gewollt offen formulierte Thema des Vortrages, den Ganor begann, indem er nicht nur seinen Sohn, sondern auch einen Schwager erwähnte, der Siedler, und eine Schwester, die Pazifistin ist. Neben der Historie der Abkoppelung, deren Schilderung von den Zuhörern dankbar aufgenommen wurde, geht sie doch in der Brisanz der aktuellen Situation oftmals unter, unternahm Ganor auch den Versuch, die strategisch-philosophischen Grundlagen dieses unvergleichbaren Vorganges zu schildern. Erst als sich die Auffassung durchgesetzt habe, dass "nicht Frieden Sicherheit bringe, sondern Sicherheit Frieden", erst als sich wesentliche politische Denker in Israel vom Gedanken der Vermählung abgewendet und der Idee der Trennung zugewendet hätten, seien die Grundlagen für die Abkoppelung geschaffen worden. Ganor fasste in zehn Punkten die mit der Abkoppelung verbundenen Hauptprobleme zusammen:

  • Die Sicherheitslücke durch Konzentration von Kräften im Gaza
  • Die Ungewissheit über Gewalt und/oder passiven Widerstand
  • Die Reaktion der Palästinenser auf den Abzug
  • Das Verhalten Radikaler im Westjordanland
  • Das schnelle Schaffen neuer Infrastrukturen für die Siedler
  • Der Tag danach
  • Die Umbettung der Toten
  • Die Philadelphi-Linie
  • Die künftige Regierung des Gaza
  • Die Situation im Westjordanland nach Räumung der vier Siedlungen

Ganor, der sich als kein Anhänger von Ministerpräsident Scharon bezeichnete, beschrieb andererseits die bisherige (Stichtag: 2. August) friedliche Durchführung der Räumung unter der Ägide des Regierungschefs als "Wunder". Als Gewinn aus der Abkoppelung definierte Ganor für Israel die Sicherheit der 8.500 Siedler, das Freiwerden der Schutz- und Streitkräfte, die freie Bewegungsmöglichkeit für die Palästinenser und den international anerkannten politischen Gewinn für das Land. Abschließend gab Itzchak Ganor der Hoffnung Ausdruck, dass sich auch die Hamas nach dem Abzug auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen werde: Sie wurde gegründet als zentrale Wohlfahrtsstelle der Palästinenser.

Claudia Korenke

 
< zurück   weiter >