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Sonntag, 5. Februar 2012 (12. Shevat 5772)
Netzarim als Gleichnis

Nicht von ungefähr sagte Jitzchak Rabin, dass die Siedlung Netzarim für uns unnötig wie ein Kropf ist. Netzarim ist unmittelbar an der Peripherie der vollends übervölkerten Großstadt Gaza gelegen und ist von allen Seiten eingekreist. Netzarim ähnelt einem Pfahl, der in einem Ameisen- oder Termitenhaufen eingerammt worden ist, einfach so - zum Trotz, als Herausforderung.

Im Rahmen des schier endlosen tragischen Konflikts zwischen Juden und Arabern begingen beide Seiten je einen gravierenden, folgenschweren Fehler. Die Araber lehnten Ende 1947 den UNO-Teilungsplan ab, da sie lieber auf einen eigenen, nicht an Transjordanien gebundenen Palästinenserstaat verzichten wollten, als einen Judenstaat JEGLICHEN Umfangs auch nur zu dulden. Heute noch, 56 Jahre später, hört man bei Umzügen fanatisierter "Antizionisten" - auch im Westen - die Parole: "From the river to the sea Palestine will be free". Und Israel begann kurz nach dem siegreichen Sechstage-Krieg den Forderungen nationalistischer Eiferer stattzugeben, die "im Herzen von Judäa und Samaria", wo es von "Araberdörfern" nur so wimmelt, unbedingt siedeln wollten, weil der Ewige unserem Erzvater Abraham diese Ländereien auf alle Ewigkeit vermacht habe.

Dieser Eifer, dem schon Golda Meir s. A. allmählich nachgab, rächte sich schwer.
1994, als mein Sohn in der isolierten Siedlung Psagot - oberhalb Ramallah - Reservedienst leistete, war er bestürzt, als er hörte, wie die Siedler, die er beschützte, die grausige Bluttat des unseligen Baruch Goldstein rühmten, der bekanntlich umkam, nachdem er moslemische Beter in der Machpelah-Grotte mit einer Maschinenpistole niedergemäht hatte.

Netzarim ist auch ein Schulbeispiel für solche "heroische" Verbohrtheit. Ironie der Geschichte: 1972 kam dort ein Trupp von Nahal-Soldaten an, um am Stadtrand von Gaza die Gegend zu überwachen. Sie wurden von Kibbutzniks des linkszionistischen Jugendbundes "Haschomer haza'ir" abgelöst, die aber bald abzogen. Auch nationalreligiösen Pionieren gelang es nicht, dort richtig Fuß zu fassen. Schließlich siedelten sich dort "ideologisch höchst motivierte" Wehrbauern an - gegenwärtig 60 Familien, etwa 400 erwachsene und minderjährige Personen, die dort unbedingt "ausharren" wollen, da sie sich symbolisch als Ebenbild des Judenstaats sehen, der von einem Meer von Arabern umgeben ist - ebenso wie ihr "tapferes Häuflein", für deren Schutz etwa 400 Soldaten rund um die Uhr im Einsatz stehen müssen.

Was hilft da die frohe Botschaft, dass die Treibhäuser von Netzarim 25 Prozent der in Israel produzierten organischen Cherry-Tomaten liefern?

Netzarim ist ein Gleichnis für die völlig verfehlte Siedlungspolitik mehrerer Regierungen Israels, deren Oberhäupter sowohl der IAP als auch dem Likud angehörten.
Hier ist keinesfalls die Rede von größeren Siedlungen wie die Satellitenstadt Ma'ale Adumim östlich von Jerusalem, Gusch Etzion dicht an der "grünen Linie" oder der Streifen Elkana-Barkan-Ariel, der sehr wohl im Rahmen einer pragmatischen Regelung dem Staatsgebiet Israels zugeschlagen werden könnte, wobei die dortige Industrie-Zone den Palästinensern zugute kommen würde.

Aber Netzarim, Dugit, Kfar Darom im Gaza-Streifen, aber Itamar und Bracha, Kfar Tapuach und Jitzhar, Psagot und Nokdim u.a.m. im Westufergebiet? Sie werden ja sowieso aufgegeben werden müssen - bei JEDER Regelung.

Wozu denn das Leben der Siedler und ihrer Beschützer tagtäglich gefährden? Die Position Israels - wirtschaftlich und strategisch, innen- und außenpolitisch - wird dadurch nur ständig geschwächt, ausgehöhlt, untergraben.

Und, wie man so hierzulande fragt - was wird das Ende sein? Besser nicht daran denken, in den Tag hinein leben?

 
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