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Freitag, 3. September 2010 (24. Elul 5770)
Zwischen Schlammschlacht und Goldmedaille

Wieder einmal hat Israel eine typische Woche zwischen Höhen und Tiefen, himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt, voll Empörung und Enttäuschungen, Beschimpfungen draußen und politischen Schlammschlachten im Inland, aber diesmal mit einem goldenen Abschluss-Triumph hinter sich gebracht.

Zum Wochenanfang kauten die Medien noch an dem bitteren Brocken der Konferenz von Durban, Südafrika, wo eine der abscheulichsten anti-israelischen Resolutionen seit langem von einer Rekordanzahl von Staaten verabschiedet wurde. Die blockfreien Staaten, ein Forum im Grunde pro-arabischer und pro-palästinensischer Gemeinschaften aus 114 Ländern, lasen dem Judenstaat die Leviten. Zu den Unterzeichnern der Deklaration, die u.a. empfiehlt, "israelischen Siedlern" die Einreise zu verweigern, gehörten die meisten afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Länder, dazu zwei neue EU-Mitglieder - Zypern und Malta. Kommentatoren sahen in dem Beschluss einen bitteren Vorgeschmack dessen, was Israel im Herbst bei der UNO-Vollversammlung erwartet.

Das israelische Außenministerium zögerte nicht, Gegendrohungen laut werden zu lassen. Aber leider nicht deutlich genug. Wer Israel boykottiert, müsste selber mit dem gleichen Boykott zu rechnen haben. Bei manchen der Länder, die zwar lauthals schreien, aber bitterarm und unterentwickelt sind, fiele das stark ins Gewicht. Sie haben dabei mehr zu verlieren als der Judenstaat. Und dennoch ist die Entwicklung mehr als peinlich. Jeder Schritt, der dazu beiträgt, dem Judenstaat die Legitimation zu entziehen, ist ein schlechter Schritt und gefährlich.

Um so entschiedener muss hier der Protest und die Warnung einsetzen. Es wäre an der Zeit, meint die "Jerusalem Post", Indien, Thailand und Kenia daran zu erinnern, dass sie nach einer solchen Ohrfeige nicht erwarten können, Israel werde die Geschäfte mit ihnen wie üblich fortsetzen. Sie verdienen daran weit mehr als Israel. Passivität seitens Israels kann sich nicht auszahlen. Nach mehr als 1000 Terrortoten hat das Land ein Anrecht darauf, besser verstanden und nicht auch noch als Apartheid-Staat
verprügelt und an den Pranger gestellt zu werden. Wenn die Nationen sich daran gewöhnen, gegen Israel zu stimmen, werden sie das auch in der UNO fortsetzen, bis es gefährlich zu werden droht. Das Mindeste wäre eine Warnung des Außenministeriums an israelische Auslandsreisende, jene - bei Israelis so besonders beliebten - exotischen Länder zu meiden, in denen sie offenbar nicht willkommen sind.

Nicht weniger unerfreulich ließ sich die Innenpolitik an. Nachdem der Vorsitzende der Arbeitspartei Schimon Peres verkündet hatte, dass er zu einer Koalition mit Ariel Scharons Likud und anderen zur Rettung des Entflechtungsabkommens bereit sei, brach in der Arbeitspartei ein Aufstand uns. Alle Jene, dir fürchten, l) ei einem weiteren Amtieren von Peres selber nicht mehr zum Zug zu kommen, schrien schmerzvoll und empört auf. Zu ihnen zählen u.a. Matan Wilna'i, der selber Ministerpräsident werden möchte, aber auch Benjamin Ben-Elieser, der gleichfalls in die gleiche Richtung schaut. Hatte Peres zu Wochenanfang noch erklärt, dass er sich selber bei den nächsten Wahlen 2006 oder vielleicht schon 2005 nochmals um das Amt des Ministerpräsidenten bewerben will, so beeilte er sich bald darauf, und nach dem zu erwartenden Getöse, das Ganze zu dementieren. Es komme ihm nur auf die politischen Resultate und nicht auf ein Amt an, ließ Peres durchblicken. Aber die groteske Tatsache bleibt bestehen, dass immer wieder die gleichen alten Gesichter im Polit-Karussell auftauchen, wie die Figuren im Wetterhäuschen oder der Kuckuck in der Schwarzwalduhr, weil es Israel leider an vertrauenserweckenden jüngeren guten Politikern mangelt. Allein schon die Versager Barak und Mitzna, um nur zwei zu nennen. sind noch unvergessen.
Inzwischen erschreckte in Frankreich der neuerliche; besonders infame Brandstiftungs-Überfall auf einen jüdischen Altenklub, worauf Außenminister Silvan Schalom in einer Blitzaktion aufbrach, um in Paris nach dem Rechten, oder vielmehr Unrechten zu sehen. Immerhin tat die französische Regierung ein Äußerstes, um ihn zu beschwichtigen. Darauf rang er sich sogar ein Lob ab. Es ist aber doch wenigstens tröstlich, dass Antisemitismus, wenn auch weit verbreitet, immer noch als eine schandbare Entgleisung gilt. Niemand reagiert so hitzig auf den Vorwurf des Antisemitismus wie der verschämt-unverschämte Antisemit.

Nach all dem kam dann plötzlich wie ein Segen vom Himmel bei der Olympiade zuerst die Bronzemedaille für Israels Judo-Kämpfer, Arik Ze'evi, und danach die Goldmedaille für Windsurfer Gal Friedman. Es war in der Tat ein großes Trosterlebnis, für das Israel sehr dankbar war. Ist in der heutigen Welt doch nichts so prestigeträchtig wie ein olympischer Sieg. Er scheint einem ganzen Volk Glanz zu verleihen. Die Goldmedaille, mit der diese Woche endete, war geeignet, einen die Schlammschlacht vergessen zu lassen.

 
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