| "Ariel Sharon schafft Fakten" - Lahnstein über die politischen Perspektiven für 2005 |
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Der Abkoppelungsplan von Premierminister Ariel Sharon wird sowohl in Israel, als auch im Ausland kontrovers diskutiert. Während Sharon für sein Vorhaben, die israelischen Truppen aus dem Gazastreifen abzuziehen und die dort gelegenen Siedlungen aufzugeben, vor allem in seinem eigenen Lager auf zum Teil erbitterten Widerstand gestoßen. Gleichzeitig verstärkt sich international die Überzeugung, dass es zu einer weitestmöglichen Trennung zwischen Israel und den Palästinensern zurzeit keine Alternative gibt, die dem berechtigten Bedürfnis Israels nach Sicherheit gerecht würde. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Prof. Manfred Lahnstein, befasst sich in dem folgenden Text mit einem Interview von Ariel Sharon, in dem er sein Pläne erläutert. Der Premierminister des Staates Israel, Ariel Sharon, hat der Tageszeitung "Yediot Ahronot" ein Interview gegeben. Laut Pierre Heumann, dem Israelkorrespondenten des "Handelsblatt" (der Newsletter der Botschaft erscheint wegen der jüdischen Feiertage nicht), hat er dort im Wesentlichen gesagt: Der Plan einer Räumung der Siedlungen im Gazastreifen sowie einiger Siedlungen auf der Westbank wird umgesetzt. Dieser Plan beruht auf einer souveränen Entscheidung und ist nicht Teil irgendeines Friedensabkommens Die "Roadmap" erscheint derzeit nicht mehr als geeigneter Rahmen für Friedensverhandlungen, da nicht abzusehen ist, wann und unter welchen Bedingungen die palästinensische Seite sich an ihre Verpflichtungen aus dieser Übereinkunft hält Es ist möglich, dass nach Umsetzung des Räumungsplanes durch Israel an der Verhandlungsfront auf lange Zeit nichts passieren wird Es ist an eine (frühere) Kabinettentscheidung zu erinnern, das "Hindernis" Arafat zu einem geeigneten Zeitpunkt "zu entfernen". Ehe die Emotionen hochkochen, sollten wir uns nüchtern an folgende Umstände erinnern: Sharon steht innenpolitisch unter Druck, und zwar aus dem rechten Spektrum, innerhalb und außerhalb seiner eigenen Partei. Das macht es aus seiner Sicht wohl nötig, den heftig umstrittenen Räumungsplan in einen weiteren Zusammenhang zu stellen Diese "realpolitische Gesamtsicht" geht nach meinem Eindruck von der Erkenntnis aus, dass jetzt und auf absehbare Zeit ein umfassender Ausgleich mit der palästinensischen Führung nicht gefunden werden kann. In der Tat: Arafat und seine Gefolgsleute tun nichts, um den gegen Israel gerichteten Terror wirksam zu bekämpfen. Das Ende des Terrors ist aber Geschäftsgrundlage der "Road Map". Die arabischen Nachbarn haben in diesem Zusammenhang keinerlei Druck auf die Palästinenser ausgeübt; die Partner der "Road Map" (USA, EU, UN, Russland) haben es mehr oder weniger bei Ermahnungen belassen. Die geforderten Reformen der Verwaltung, insbesondere des Sicherheitsapparates, sind am persönlichen Machtanspruch Arafats gescheitert. Und die Stimmen, die nach einem "Einheitsstaat Palästina" rufen, was ja nur eine irreführende Umschreibung für palästinensische Herrschaft über Israel ist, werden lauter. Da Verhandlungen nicht weiterführen, muss jede israelische Regierung versuchen, die Sicherheit der Bürger auf andere Weise herzustellen. Das wird nach meinem Eindruck in der Kombination Sicherheitszaun, Räumungsplan und Eingreifbereitschaft in den Autonomiegebieten geschehen. Wer hier eine bessere Strategie vorzuschlagen hat, der möge sich melden. Die Kritiker dieser Politik in Israel selbst wollen nicht mehr, sondern weniger! Natürlich birgt eine derartige "Realpolitik" auch Risiken. So wie die Dinge heute liegen, wird sie zu einer Verhärtung des Gesamtklimas und zu einer mindest zeitweiligen, ausgeprägteren Isolierung Israels führen. Ich glaube, dass Sharon diese Risiko für kalkulierbar hält. In einem hat er Recht: Mit dem Wohlwollen der Europäer und der Amerikaner allein wird sich für Israel weder Frieden noch Sicherheit erreichen lassen. Und die Reaktionen im arabischen Lager müssen ihn schon deshalb nicht beunruhigen, weil sie in jedem Fall feindselig sein würden. Längerfristig aber werden weitere Fakten zu beachten sein, die auf ihre Weise auch normative Kraft entfalten können. Die Strategie Sharons nimmt den gemäßigten und vernünftigen Kräften im palästinensischen Lager Luft zum Atmen. Die Auswirkungen auf die israelischen Araber sind ebenfalls noch nicht klar zu übersehen. Und wenn aus dem Provisorium "Sicherheitszaun" ein Dauerzustand wird, dann sind die politischen Folgen unabsehbar. Schon macht das Wort vom "Super - Ghetto" Israel die Runde.
Was kann der Westen, was können wir, die Freunde Israels tun? Das Jahr 2005 ist nicht nur ein Jahr wichtiger strategischer Entwicklungen. Dann jährt sich auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten zum vierzigsten Mal. Gestern hat mir ein Fernsehredakteur die Frage gestellt: "Darf man Israel kritisieren?". Ich habe diese Frage bejaht und hinzugefügt: "Man darf Israel aber auch loben". In der Tat, 2005 bietet reichlich Gelegenheit, Flagge zu zeigen. |
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