| "Nach der Wahl ist vor der Wahl" |
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Die Bedrohung durch den TerrorismusWas zunächst den islamistischen Terror angeht, so müssen wir verstehen, dass die direkt betroffenen Israelis sich hier keinerlei Illusionen machen. Und auch wir dürfen das nicht tun aus dem scheinbar sicheren Port unseres Landes und von den Höhen unserer moralischen Weltsicht herab. Die eigentlichen Wurzeln dieses Terrors liegen in religiösen Wahnvorstellungen, in einer verwirrt eschatologischen Variante des islamischen Fundamentalismus. Die mehr als 100.000 Terroropfer in Algerien, die mehr als 40.000 Opfer im Sudan oder mehr als 20.000 in Ägypten, niedergebrannte Kirchen in Nigeria, Pakistan oder Indonesien, Al Qaida und Taliban, Djerba, Bali und das World Trade Center - all das hat mit Israel oder gar mit Ariel Sharon nicht das Geringste zu tun, auch wenn es im arabischen Lager immer wieder behauptet und dann in Deutschland nachgebetet wird! Lassen Sie mich als Beispiel aus einem Brief zitieren, den der Selbstmordattentäter von Haifa aus der vergangenen Woche am Leibe getragen hat: "Wir legen den Muslimen, Juden und Christen eines der Wunder des Koran dar: Das WTC ist am 11.9.2001 zusammengestürzt. Es befand sich an einer New Yorker Straßenecke am Rande eines Gewässers. Hierzu sprach Allah vor 1400 Jahren, dass das Ende der Welt in diese Straße und in dieses Gebäude kommen wird. (hierzu wird Abschnitt 109 der Sure 9 des Koran zitiert) Wenn wir den Koranabschnitt untersuchen, ergibt sich Folgendes: Abschnitt 109 befindet sich im 11. Teil des Korans. Der Einsturz der Türme fand am 11. Tag statt. Bei der Sure handelt es sich um die 9. Sure im Koran. Der Einsturz war im 9. Monat. Die 9. Sure besteht aus 2001 Wörtern, was das Jahr des Einsturzes ergibt. Gelobt sei Gott! " Derartige Wahnvorstellungen aber werden jeden Freitag in vielen Moscheen verkündet - nicht nur in Peshawar, sondern auch im Gazastreifen. Hinzu kommen politisch - historische Grundüberzeugungen einer islamischen und arabischen Welt, die auch ansatzweise nicht über ein ausbalanciertes Selbstverständnis verfügt, keine Kraft für eine innere Entwicklung aufbringt und stattdessen Sündenböcke sucht. Hierzu ein Zitat des iranischen Außenministers Harezi Al Sadr vom 21.12.2002 aus einem Interview mit einer iranischen Wochenzeitung. Nach einer Zwei-Staaten-Lösung für Palästina (also Israel und Palästina im engeren Sinne) gefragt, erklärt er dort wörtlich: "Eine derartige Lösung wird unsere grundsätzliche Ablehnung der Existenz des zionistischen Gebildes nicht beeinflussen." Machen wir uns nichts vor, Millionen Araber denken genau so wie der Iraner - übrigens auch in Staaten wie Jordanien oder Ägypten, die mit Israel Frieden geschlossen haben. Dass Israel auf diese existenzielle Bedrohung mit einer Sicherheitspolitik reagiert, die vielen Menschen in Deutschland als völlig überzogen vorkommt, kann man vor diesem Hintergrund vielleicht besser verstehen - selbst wenn die sogenannte "Intifada" einmal nicht wütet! Andererseits hat der Terror aber auch mächtige Wurzeln in der ganz spezifischen Lage der Palästinenser. Da sind die "Täter von der Kanzel", da spielt die Eigendynamik in Terrorgruppen hinein, mit der wir uns in den Zeiten der RAF ja auch haben auseinandersetzen müssen. Da wirken sich aber auch die demütigenden Effekte aus, die eine Zeit der Besetzung immer und unausweichlich mit sich bringt. Und auch die miserablen wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen in den palästinensischen Autonomiegebieten bilden einen ganz eigenen Nährboden - wer oder was auch immer diese Lage verursacht haben mag. Auf diese, die spezifisch palästinensischen Wurzeln wird sich israelische Politik in den nächsten Jahren konzentrieren müssen. Sie sind nicht Schicksal, sondern durch eine geeignete Sicherheits- und Friedenspolitik zu beeinflussen. Vor diesem Hintergrund ist vielleicht auch verständlich, warum der Irak-Konflikt in Israel häufig anders beurteilt wird als bei uns. Die Israelis werten das Geschehen in erster Linie danach, wie es die eigene Sicherheitslage beeinflusst. Und da die dramatisch ist, kann es nach Ansicht vieler Israelis nach einem bewaffneten Konflikt im Irak nur besser werden. Ob das richtig oder falsch ist, weiß ich nicht. Ich gebe nur wieder. Immerhin: Es war der Golfkrieg , der die Prozesse von Oslo und Madrid erst möglich gemacht hat. Und es kommt vielleicht nicht von ungefähr, dass Mubarak, dieser fabelhafte Taktiker, Sharon zum Wahlsieg gratuliert und nach Ägypten eingeladen hat, dass die mörderische Hamas jetzt auf einmal eine zeitlich begrenzte "Waffenruhe" anbietet, in der Zwischenzeit allerdings wieder mehrere Mordanschläge auf ihrem Konto hat. Nun wird jede Friedenspolitik von zwei ganz einfachen Erkenntnissen ausgehen müssen. Die eine hat Bill Clinton so formuliert: "Es gibt keinen Frieden ohne Sicherheit, es gibt aber auch keine Sicherheit ohne Frieden". Die andere verdanke ich meinem Freund Amos Oz. Sie lautet:"Frieden muss zwischen Feinden geschlossen werden; zwischen Freunden besteht er bereits". Eine dritte Erkenntnis ist ebenso einfach: So wie bisher kann es nicht weitergehen! Leider wird sie in der israelischen und palästinensischen Politik der letzten Jahre nicht ausreichend sichtbar. Vielleicht ein Hinweis an dieser Stelle: Palästinensischer Terror hatte in Israel bis zum Ausbruch der "Al Aqsa Intifada" rund 50 Opfer gefordert. In der kurzen Zeit seither sind es mehr als 700 gewesen. Bei einer Umrechnung auf Deutschland würden dies knapp 10.000 sein! |
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