DIG Arbeitsgemeinschaft Frankfurt
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Sonntag, 5. Februar 2012 (12. Shevat 5772)
"Was machen wir falsch?"

Nach der Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln fragt der Präsident der DIG, Dr. h.c. Johannes Gerster in dem nachfolgen Beitrag "Was machen wir falsch?"

Deutschland war wieder einmal betroffen, entsetzt, ratlos. In Mügeln hat eine Meute von 50 Rowdies eine Hetzjagd auf acht Inder veranstaltet, sie verprügelt, in Todesangst versetzt. Nur durch ihre Flucht in eine Pizzeria wurde Schlimmeres verhindert. Wöchentlich werden Ausländer in irgendeinem Teil der Republik angepöbelt, angegriffen, zusammengeschlagen. Nur weil sie anders sind als Deutsche?!

Die Reaktionen auf Mügeln waren ebenso erschütternd wie die Gewaltexzesse selbst: Das sei keine Aktion von Rechtsradikalen gewesen. Als ob die Sache dadurch besser würde. Wenn ganz normale Bürger, keine bekannten Gewalttäter, Ausländer durch die Straßen ihrer Gemeinde jagen und andere Bürger diesem Treiben tatenlos zusehen, um danach abzuwiegeln, dann hat der Ungeist der Intoleranz die Mitte unserer Gesellschaft erreicht. Gibt es vielleicht eine klammheimliche Freude, wenn auf Ausländern eingeprügelt und so demonstriert wird, wer Herr im Hause ist?

Heute die Ausländer, morgen die Juden, die sich schon heute an manchen Orten scheuen, ihre Kippa zu tragen? Haben wir denn gar nichts aus unserer Geschichte gelernt?

Was machen wir falsch?

Toleranz, Weltoffenheit auch in Deutschland, Respekt vor dem Anderen, oder ganz einfach Anstand werden offenbar als verstaubte Tugenden vergangener Zeiten abgetan. Geschichtslosigkeit verrät Mängel in unseren Familien, in unserem Bildungssystem. Frustration in einem der reichsten Länder reicht allzu oft als Erklärung und Beschwichtigung gegenüber zunehmender Gewaltbereitschaft.

Politiker, Wissenschaftler, Journalisten, die Besten im Lande, müssen tiefer pflügen. Wohlfeile politische Vorschläge, kurzzeitige Empörung als reflexartige politische Rituale, um dann rasch wieder zur Tagesordnung zurückzukehren, reichen nicht aus. Reden wir Klartext: Die Verwahrlosung unserer Grundwerte – Oberflächlichkeit und Kurzatmigkeit in zentralen Fragen der "Verfasstheit" unserer Gesellschaft - muss gestoppt werden.

Wir von der DIG müssen vor Ort dazu unseren Beitrag leisten. Auch der Antisemitismus, zum Teil kaschiert als Kritik an Israel, schreitet voran. Mit der 5. Neugründung einer Arbeitsgemeinschaft in fünf Monaten in Nordhausen/Thüringen sind wir auf einem guten Weg.

Mit unserer großen Geburtstagsfeier "60 Jahre Israel" zu Pfingsten 2008 in Berlin und mit zahlreichen Initiativen unserer Arbeitsgemeinschaften im Jubiläumsjahr wollen wir maßgeblich zur Verbesserung des Israelbildes in Deutschland beitragen.

 
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